Produktmanagement 05.10.2022

Agile at Scale – Agilität groß gedacht

Scrum und Kanban sind keine Fremdwörter für dich und dein Team nutzt bereits ein agiles Framework? Dann ist es vielleicht an der Zeit, über eine skalierte agile Transformation deiner Organisation nachzudenken.

Agile und skaliert, wie geht das? SAFe, LeSS, Scrum@Scale und auch Spotify sind in aller Munde. Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Was ist der richtige Weg für mich? Und was ist zu beachten? Nachfolgend sollen einige der bekanntesten "agile at scale"-Frameworks kurz betrachtet werden. Allen gemein ist, dass infolge der Skalierung althergebrachte Prozesse, Strukturen und die Unternehmenskultur hinterfragt und angepasst werden müssen.

1. SAFe (Scaled Agile Framework)

SAFe ist ein weit verbreitetes skaliertes agiles Framework, welches in verschiedenen Ausbaustufen je nach Größe und Reife der Organisation angeboten wird. Auf den ersten Blick wirkt SAFe sehr komplex. Allerdings liegt hier auch einer der Vorteile für große Organisationen. Ein sehr detailliert vorgegebener Weg und hierarchische Rollen und Einheiten in SAFe sorgen dafür, dass sich komplexe Organisationen in dieser Struktur wiederfinden. Viele Fragen, die zwischen durchführenden und planenden Teams offen bleiben, können durch SAFe geklärt werden. Mehrere Teams werden im sogenannten Agile Release Train zusammengefasst, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Mehrere Trains können über weitere Stufen miteinander synchronisiert werden.

✅ Als Besonderheit beinhaltet SAFe von vorneherein ein Portfoliomanagement. 

⚠️ Die Vorteile, die SAFe mit sich bringt, können schnell auch ins Negative umschlagen. So ist SAFe eben auch sehr starr und komplex und kann durch seine Top-Down Ausrichtung schnell in unnötigem Micromanagement und einer "falschen" Agilität münden.

2. LeSS (Large Scale Scrum)

Large Scale Scrum baut auf dem existierenden Scrum Framework auf und sorgt durch einige neue Regeln und Tipps dafür, dass mehrere Teams agil zusammenarbeiten können. Die Tipps sollten als Experimente im Kontext des klassischen Scrum durchgeführt werden. Wie auch in anderen evolutionären Frameworks folgt auf das Aufdecken von organisatorischen Schwächen eine Veränderung.

Ausgelegt ist es auf bis zu 8 Scrum Teams mit je 7 Teammitgliedern, also insgesamt 56 Personen, gerundet 60 Personen. Durch Huge LeSS können aber sogar größere Gruppen zwischen 500 oder 1000 Personen gemäß Scrum agil zusammenarbeiten. 

✅ LeSS is more - der Leitsatz von LeSS fasst recht gut zusammen, wo die Vorteile dieses Frameworks liegen. Es ist eine recht simple, ebenso flexible Erweiterung des klassischen Scrums.

⚠️ Große Organisationen, die gerade erst ihr Mindset auf agile und autonome Teams ausweiten, könnten hier Schwierigkeiten haben. Strategische und planerische Fragen werden nicht abgedeckt.

3. Scrum@Scale

In Scrum@Scale wird Scrum über mehrere Teams hinweg skaliert. Scrum of Scrums (SoS) – ein Metascrum – ist der zentrale Baustein dieses Frameworks. Ein SoS arbeitet gemeinsam teamübergreifend an einem Produkt. Sollte irgendwann selbst das nicht mehr ausreichen, um verschiedene Teams oder Produkte miteinander zu koordinieren, muss eventuell sogar ein Scrum of Scrum of Scrums genutzt werden.

Das klingt komplizierter als es ist. Koordinierende Aufgaben der Product Owner und Scrum Master der einzelnen Teams werden im SoS – also der nächst höheren Organisationsebene – erledigt. Unterstützt wird das SoS durch neue Rollen, dem Scrum of Scrums Master und Chief Product Owner. Rituale und iterative Zyklen werden am Scrum orientiert auf die notwendigen Ebenen skaliert. Zusätzlich soll ein Executive Action Team (EAT) quasi als Scrum Master Team der gesamten Organisation Hindernisse beseitigen.

✅ Dieser sehr agile Ansatz ist recht simpel und elegant für Organisationen mit einer geringen Produktzahl.

⚠️ Strategische und planerische Fragen werden ebenfalls nicht abgedeckt.

4. Spotify

Ob Spotify nun ein konkretes Framework ist oder nicht, darüber streiten sich die Geister. Vielmehr ist es ein Schnappschuss der Arbeitsweise und Organisation des Unternehmens Spotify von 2012. Spotify als Framework unterteilt eine Organisation in Squads, Tribes und Guilds. Diese haben eine Menge von Interaktionen untereinander und sollen die Silobildung vermeiden. Scrum, Kanban oder Scrumban – das muss indes jede Einheit selbst für sich entscheiden. Autonomie, Experimente und Rituale sowie eine daraus abgeleitete permanente Veränderung sind der Kern des Erfolges. Diesen Punkt übersehen viele Organisationen, wenn sie sich für Spotify als Framework entscheiden.

✅ Das Spotify Modell fordert und fördert die Kreativität und Selbstbestimmung der Mitarbeitenden – sie entscheiden selbst, welche Vorgehensweisen für sie am besten sind.

⚠️ Denn es ist nie als starres Konstrukt ausgelegt gewesen, sondern setzt eben gerade auf Agilität, um sich an Veränderungen anzupassen.

Unser Fazit zu den 4 Frameworks

Alle "agile at scale"-Frameworks bringen gewisse Vor- und Nachteile mit sich und die Wahl ist abhängig von Größe und Komplexität deiner Organisation.

Wird ein Produkt oder werden viele Produkte entwickelt? Von wie vielen Teams? Wie groß sind Abhängigkeiten? Aber auch die Frage nach der Reife ist entscheidend. Wie viele Teams arbeiten schon nach agilen Methoden? Wie weit ist die kulturelle Transformation in der Organisation schon fortgeschritten?

Alles wichtige Fragen, die bei der Klärung helfen können, wie starr oder autonom das Framework sein darf, oder sein muss, die aber auch regelmäßig gestellt werden müssen. Insbesondere in Bezug auf die Werte der Organisation und die Skalierung von Agile sollte stets hinterfragt werden, sind wir auf dem richtigen Weg, oder müssen wir uns anpassen?

Nur weil Rituale durchgeführt und Begriffe der Agilität verwendet werden, seid ihr nicht unbedingt agil. Agile Kultur muss zur DNA werden, um erfolgreich zu skalieren.

Eines ist dennoch klar, der Erfolg zeigt sich nicht über Nacht - Veränderung braucht Zeit.

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